Hätte mir irgendjemand in meinen Zwanzigern gesagt, dass ich eines Tages Frauenkreise eröffnen würde, ich hätte schallend gelacht, laut und mit Inbrunst "ja aber sicherlich nicht" gerufen, hätte vielleicht noch "so ein Eso-Spiri-Mist" nachgeschoben und mich wieder eifrig daran gemacht, zu leisten, zu gefallen und zu entsprechen.
Und bistudeppert, war ich gut darin.
Ich habe immer mehr geleistet, und noch mehr, selbst als eigentlich nichts mehr gegangen ist. Ich habe es allen und jedem Recht gemacht, mich dafür verbogen, verleugnet und verraten. Ich habe all den vielen Anforderungen entsprochen, die tagtäglich an mich gestellt wurden und selbstverständlich nicht erwartet, dass es gesehen, gewürdigt oder gar wertgeschätzt wird.
Ich habe jede mir zugedachte Rolle gewissenhaft erfüllt: die perfekte Tochter, die perfekte Ehefrau, die perfekte Liebhaberin, die perfekte Freundin, die perfekte Hausfrau, die perfekte Mutter, die perfekte Angestellte, die perfekte Nachbarin, die perfekte Kundin, die perfekte Verkehrsteilnehmerin, die perfekte Gärtnerin, die perfekte Köchin, die perfekte Patientin. Nur eines war ich nicht: ich selbst.
Wenn es mir einmal nicht gelang, es allen recht zu machen, wurde ich von Schuldgefühlen und Scham überrannt und habe mich dann noch mehr bemüht, noch mehr gegeben, noch mehr geleistet.
Weder das erste noch das zweite noch das dritte Burnout konnten mich wirklich bremsen und auch meine Krebserkrankung war kein triftiger Grund, einmal zurückzuschalten. Ganz im Gegenteil! Was für eine wunderbare Gelegenheit zu beweisen, was ich nicht noch alles schaffen und leisten und erreichen kann! Was für eine Gelegenheit, um zu zeigen, wie wertvoll ich doch eigentlich bin, wenn ich auch unter diesen Bedingungen noch reibungslos funktioniere.
Aber irgendwann war dann doch einmal aus. Nichts mehr da. Ende. Alles aufgebraucht.
Keine Kraft mehr da, nicht einmal mehr für den eisernen Willen, der mich durch die letzten Jahre getragen hat.
Das war der Moment, in dem ich kapiert hab, dass da irgendwas gravierend falsch läuft in meinem Leben. Dass es so mit absoluter Sicherheit einfach nicht mehr weiter gehen kann. Dass dieses Leisten, Verbiegen und Selbstverleugnen aufhören muss.
Und so habe ich mich gefragt:
Wer bin ich, wenn ich nicht leiste?
Wer bin ich, wenn ich nicht allen gefallen will?
Wer bin ich, wenn ich es nicht mehr allen recht mache?
Wer bin ich, wenn ich aufhöre, mich zu schämen?
Wer bin ich hinter all diesen vielen Rollen?
Ich habe mich auf die Suche nach meinen Bedürfnissen, meinen Grenzen, meinen Werten und meinen Träumen gemacht. Ich habe mich meinen Schatten und meinem Ego gestellt, meine Glaubenssätze überprüft und meine Überzeugungen hinterfragt. Ich habe zu unterscheiden gelernt, wann ich im Außen und wann ich im Innen bin und ob ich aus dem Ego oder aus meinem bewussten Sein heraus handle und entscheide.
Es war hart, ausgesprochen schmerzhaft, ziemlich scheußlich und sehr sehr einsam.
Es gab Tage, da fühlte ich mich wie in den Straßengraben geschmissen, mutterseelenalleine, innen und außen wund, absolut leer und vollkommen verzweifelt.
Es gab Tage, da fühlte ich mich, als hätte mir jemand die Haut abgezogen. So schutzlos und nackt war ich, nachdem mein so mühsam zusammengeklebtes Kartenhaus in sich zusammengebrochen war.
Aber dann habe ich mein Leben neu ausgerichtet. Ich habe meinen sicheren Job als Juristin gekündigt und mich als Schneiderin selbständig gemacht. Ich habe Freundschaften und Beziehungen rigoros ausgemistet und nur die behalten, die mir gut tun. Ich habe mich innerhalb meiner Familie neu platzieren und mein Tempo in allem verlangsamt. Ich bin aus der Opferrolle herausgekrochen, habe begonnen, meine Entscheidungen bewusst zu treffen und mein Leben selbst zu gestalten. Ich habe mein zyklisches Sein entdeckt und angefangen, meinen Körper zu bewohnen. Ich bin in die Selbstermächtigung gegangen. Schritt für Schritt.
Und ich bin gestrauchelt, war verzweifelt, wollte alles wieder hinschmeißen, war wütend, alleine und traurig, hab gewimmert, geweint und getobt. Ich habe alles und jeden verflucht und mich manchmal selbst gehasst - aber aufgegeben habe ich nicht.
Und jetzt bin ich angekommen. In MEINEM Leben.
Jetzt lebe ich MEINE Träume. Wahre MEINE Grenzen. Kümmere mich um MEINE Bedürfnisse. Jetzt steh ich für MICH ein und erlaube mir endlich, ich selbst zu sein.
manchmal gelingt es mir formidabelst und manchmal verkack ich es kolossal
Ich lerne und ich wachse. Jeden Tag aufs Neue. Ich bin angekommen in meinem Leben, aber ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass es das jetzt war mit der Reise, den Prüfungen, den schockierenden Erkenntnissen und den epigenetischen Watschen aus dem Off. Ich habe gute Tage, an denen ich erfüllt bin und meinen Wert wahrhaftig spüre. Und es gibt Tage, an denen mich alte Glaubenssätze wieder einholen, mir ins Gesicht lachen und ich ein Stück des Weges noch einmal gehen darf. Und das ist in Ordnung so.
Während ich diesen Weg gegangen bin, hab ich mir so oft gewünscht, ihn gemeinsam mit jemanden gehen zu können. Nicht alles alleine schaffen zu müssen. Jemanden an meiner Seite zu haben, der den gleichen Weg geht. Mit dem ich mich austauschen und beraten könnte. Der mir Trost spenden würde, mir Mut zusprechen und mich in den Arm nehmen könnte. Jemanden, der mich wahrhaftig sieht. Und versteht. Den Prozess. Die Verwandlung. Die Metamorphose. Das Erwachen und Begreifen und Erkennen.
Ich habe diesen Jemand damals nicht gehabt.
aber ich würde sehr gerne dein Jemand sein
Ich möchte dich auf deinem Weg begleiten, dich unterstützen, dir Mut zusprechen, dich halten, dir die Hand reichen und dich wahrhaftig sehen. Ich möchte mit dir lachen und weinen, deine Erfolge mit dir feiern, dich hoch leben lassen und deinen Weg bezeugen. Deine Wandlung. Dein Begreifen. Deine Reise zu dir selbst.
Das ist der Grund, warum es meine Kreise gibt. Damit du einen Raum hast, in dem du Kraft schöpfen kannst für deinen Weg. Damit du erkennst, dass du nicht alleine gehst. Und damit du begreifst, dass es sich sowas von auszahlt, nicht aufzugeben.
Denn die Früchte die du ernten wirst, werden deine kühnsten Träume übertreffen.
In tiefer Verbindung, Wertschätzung und dem höchsten Respekt,
deine Lena
Klagenfurt, im Juni 2024
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Nachtrag 2026:
Seit nunmehr drei Jahren leite und öffne ich Kreise zu den verschiedensten Themen und Gelegenheiten.
Jeder einzige davon ist war Geschenk.
So viele von euch durfte ich sehen, so viele von euch haben mir ihre Geschichte anvertraut. So viele von euch durfte und darf ich ein Stück des Wegen begleiten.
Was für eine Ehre.
Meine Schneiderei habe ich Anfang 2025 geschlossen, um mehr Raum zu schaffen für das, was mich bis in die Zehenspitzen erfüllt:
Räume zu öffnen, in denen Frauen sich zeigen dürfen.
Ohne Angst vor Urteil, Bewertung oder Missgunst.
Ich dachte, ich schaffe Platz für mehr Kreise.
Tatsächlich hat aber noch etwas anderes in mein Leben gefunden:
Kundalini Rising
Eine Frucht die ich ernten durfte, von der ich nicht einmal gewusst habe, dass sie existiert. Aber auf einmal bekam das, was ich all die Jahre tagtäglich in meinem Kämmerlein spürte, tanzte, bewegte, empfand, praktizierte und verkörperte einen Namen.
Und das erste Mal, als ich meine Hände hob um zu facilitieren war da nur dieses eine überwältigende, wunderbare, warme und umhüllende Gefühl: